Ramsteiner Appell
Friedenstaube

Was hat der (Ost-) Berliner Volkspark Friedrichshain mit Rheinland-Pfalz zu tun?

Und was Hiroshima mit Ramstein?

Bericht einer Gedenkveranstaltung zum Jahrestag von Hiroshima/Nagasaki

Sonntag, der 6. August 2006, der 61. Jahrestag des Abwurfes der Hiroshima-Bombe. Aus diesem Anlass und zum Protest gegen den völkerrechtswidrigen Krieg von Israel gegen den Libanon findet im Berliner Volkspark Friedrichshain (früher Ernst-Thälmann-Park) eine Kundgebung statt. Da ich noch nie dort war, muss ich früh aufstehen, um aus dem nördlichen Westteil hin zu kommen und einen wunderbaren Park - trotz Regen belegt von vielen Familien und Joggern - vorzufinden. Hier steht die Friedensglocke. Ehrlich gesagt, ich wusste nichts von ihr, bis ich gestern im ND den Hinweis las. Sie wurde vom Weltfriedensglocken-Komitee aus Japan noch 1989, also dem vorletzten Jahr der DDR gespendet, hier aufgestellt und wird jedes Jahr zum Jahrestag von Hiroshima und Nagasaki angeschlagen.

Ein Überlebender von Hiroshima schlägt sie als erster an und bedankt sich bei den ca. 150 Teilnehmer, dass sie Hiroshima nicht vergessen. Harald Wolf ist da, der Berliner Bürgermeister und die Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg hält eine Rede. Dann wird ein Bericht eines Überlebenden vorgelesen. Vom Tag des Abwurfs, von Verwüstungen, den Gräueln, der Schauspielerin versagt mehrfach die Stimme, die Zitate mag man nicht wiedergeben. 200.000 Menschen starben direkt, 2 Millionen indirekt nach diesen beiden Bombenabwürfen, die militärisch völlig überflüssig, einzig dazu dienten, der Sowjetunion zu zeigen, wer die Nase vorn hat im Wettlauf um die Bombe.

Dann tritt der Sprecher der Ärzte gegen den Atomkrieg (IPPNW) ans Mikrofon. Er spricht über den Entwurf des Militärhandbuches der Bundesregierung, den der Verteidigungsminister Jung vorgelegt hat. Und in dem ausdrücklich die Option atomarer Schläge gegen die Terroristen offen gehalten wird. Atomwaffen, also, die in Rheinland-Pfalz gelagert werden, im Einsatz gegen Selbstmordattentäter - und schlägt den Bogen von damals zu heute.

Atombomben müssen weg. Aus Deutschland. Das heißt vor allem: aus Rheinland-Pfalz! Vom ganzen Erdball. Die 5 Atommächte USA, England, Russland, China und Frankreich sind in der Pflicht. Die Nichtunterzeichnerstaaten, die Atomwaffen besitzen, Indien, Pakistan und Israel (allein 250 Sprengköpfe!) erst recht.

Und informiert, darüber dass die Initiative Bürgermeister für Frieden, die 2003 auf Vorschlag des Stadtvorstehers von Hiroshima gegründet wurde, einen Plan entwickelt hat: Bis 2020 die ganze Welt atomwaffenfrei zu machen.

Hier im regnerischen Berlin - spüre ich - treten die Protestierer ein für das Leben und die Zukunft der Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer und ihrer Kinder. Denn nur in Ramstein und Umgebung lagern diese Massen-Mord-Waffen, die ganze Landstriche vom Erdboden verschwinden lassen! Und ich verneige mich vor denen, die gekommen sind, und spüre den Zusammenhang von Berlin und Rheinland-Pfalz. Global denken und lokal handeln, das heißt - so wird mir beim Schlagen der Friedensglocke bewusst - jetzt den Ramsteiner Appell zu verbreiten. Aus der Website www.ramsteiner-appell.de erfahre ich: 1778 Unterschriften bis heute. Das ist gut. Aber damit er unüberhörbar wird, müssen 10 Mal, ja 100 Mal soviele unterschreiben. Der Krefelder Appell vereinigte innerhalb von 2 1/2 Jahren 3 Mio. Unterzeichner. Damals ging es ums Wettrüsten und die Mittelstreckenraketen, heute darum, dass die USA atomare Schläge auf den Iran planen. Und das via Ramstein.

Auf einem Flugblatt des IPPNW lese ich Worte des Psychoanalytikers H. E. Richter: "Es wird entscheidend darauf ankommen, in der Gesellschaft einerseits den Abscheu vor der unermesslichen Grausamkeit eines Nuklear-Krieges neu zu erwecken, andererseits die Zuversicht in die Kräfte der Menschlichkeit zu stärken, die z.B. einst durch Willy Brandt und Nelson Mandela, auch durch Gorbatschow einer echten Friedenspolitik den Boden bereitet hatten."

Wie recht dieser kluge Mann hat: Alle Atombomben müssen weg aus Rheinland-Pfalz, aus Europa, von dieser Welt!. Sie müssen vernichtet werden. Das kann gelingen. Wenn jede/r bei sich anfängt. Den ersten Schritt wagt. Unterschrifts-Listen gibt's unter
www.ramsteiner-appell.de/dl/ramsteiner-appell-formular.pdf

Mathis Oberhof, Holzhausen a. d. H./Berlin